Veränderung fängt mit innerer Sicherheit an

Hast du gewusst, dass eine Raupe sich in ihrem Kokon einmal komplett auflöst und sich in eine Raupensuppe verwandelt, bevor sie zum Schmetterling wird? Was wäre, wenn sich die Raupe weigern würde, sich in ihren Kokon zurückzuziehen, weil sie sich tausend Gedanken darüber machen würde, was alles passieren könnte, während sie in ihrem Kokon sitzt? Die Verwandlung würde nie stattfinden und die Raupe würde ihr Leben lang davon träumen, was für ein schöner Schmetterling sie geworden wäre.

Auch wir Menschen spüren oft, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Aber wir lassen uns von tausend Ängsten und Gedanken oft davon abhalten, uns überhaupt auf den Weg zu machen. Oder wir versuchen uns das, was auf der anderen Seite der Veränderung wartet, schon in tausend kleinen Details vorzustellen; bevor wir uns überhaupt auf den Weg gemacht haben. Wir spinnen tausend Sicherheitsnetze, um die aufkeimenden Ängste und Resistenzen abzufangen. Aber selbst als gute Strateg:innen können wir nicht jedes Detail vorausplanen und kommen nicht darum herum, uns für eine kurze Zeit im undefinierten, schwammigen Zeitraum der Raupensuppe aufzuhalten.

Veränderung beginnt mit Rückzug

Veränderung findet von Innen nach Aussen statt. Wir spüren, dass etwas für uns nicht mehr passt, dass wir aus etwas herausgewachsen sind oder uns etwas einfach nicht mehr gut tut. Natürlich können wir uns sofort auf das Aussen konzentrieren und unsere Beziehungen, Wohnsituationen, Jobs und Freund:innenschaften mit einem Ruck niederreissen. Aber für die meisten Menschen ist erst ein stiller, innerer Prozess nötig, bevor sie im Aussen entsprechende Veränderungen vornehmen können.

Veränderung brauch Zeit und Achtsamkeit. Wir ziehen uns zurück und machen uns Gedanken darüber, was wir verändern wollen. Dieser Prozess passiert oft im Stillen des eigenen Kokons, weil zu viele Meinungen, Kommentare und Gespräche über unsere Gedanken uns in diesem Stadium vielleicht davon ablenken, dass wir spüren, was für uns richtig ist. In dieser Phase der Veränderung ist es wichtig, sich mit den aufkeimenden Ängsten, Zweifeln und den Resistenzen auseinander zu setzen, die uns von der Veränderung abhalten wollen. Diese Gedanken sind eng mit unserem autonomen Nervensystem verknüpft, das uns zu jedem Zeitpunkt schützen möchte. Wenn wir innere Unruhe und Ängste spüren oder sogar Blockaden, dann ist das autonome Nervensystem stark aktiviert und wir müssen ihm sanft zeigen, dass wir sicher sind und uns nichts passieren kann.

Das kann zum Beispiel bedeuten, sich im Angesicht von Stimmen, die an Allem zweifeln wollen, immer wieder zu sagen «Es wird gut, ich kann das». In dieser Phase brauchen wir Ruhe, um bei uns zu bleiben, Klarheit zu gewinnen und an unseren Entscheidungen festzuhalten. Es kann in dieser Zeit wichtig sein, den Menschen um sich herum zu kommunizieren, dass man gerade in einem Prozess ist und etwas mehr Zeit für sich braucht.

Wer die Unsicherheit aushalten kann, findet Sicherheit

Hat man sich einmal in seinen Veränderungs-Kokon zurückgezogen, beginnt man sich langsam aufzulösen. Man schwimmt wie die Raupe in der Suppe seines bisherigen Lebens und beginnt langsam, die Zukunft zu formen, ohne schon alle Details zu kennen. Diese Phase ist sehr explorativ und aufregend, weil man spürt, dass sich etwas verändert und man beginnt, neue Dinge und Perspektiven in Betracht zu ziehen. Wer die vermeintliche Unsicherheit dieser Phase, in der vieles noch unkonkret erscheint, aushalten kann, findet hier grosse innere Sicherheit: «Egal, wohin ich gehe und was kommt, ich kann das. Ich kann ausprobieren, was für mich stimmt. Wenn es soweit ist, weiss ich, was gut für mich ist.»

Rückschritte gehören dazu

Veränderung ist alles andere als linear. Einmal auf den Weg gemacht, erleben wir neben neben vielen Fortschritten auch, dass wir einen Schritt zurück machen. Dieser Rückschritt gehören dazu. In dieser Zeit ist es wichtig, das Gefühl der inneren Sicherheit immer wieder zu nähren, um positiv und hoffnungsvoll zu bleiben und nicht vom autonomen Nervensystem ausgebremst zu werden.

Am Ende hängen erfolgreiche Veränderungen nicht so sehr davon ab, was verändert wird, sondern davon, dass wir in der Unsicherheit der Veränderungsphase immer zur inneren Sicherheit zurückfinden.

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