Zurück zur Selbstwahrnehmung:

Wir leben in einer Zeit, in der wir uns über das Aussenbild, unser Image, mehr Gedanken machen, als darüber, wie wir uns selbst wahrnehmen. Wir lernen, uns zu verkaufen, uns darzustellen und uns auf Social Media und Co. als Brand zu positionieren. Aus meiner langjährigen Marketing- und Kommunikationserfahrung kenne ich aber auch die Schwierigkeiten, wenn das Äussere einer Marke oder eines Unternehmens überhaupt nicht mit dem «Inneren» überein stimmt: Wenn eine Firma jung und hip sein möchte, aber sämtliche Strukturen völlig veraltet sind. Oder wenn eine Marke nachhaltig sein will und an jeder Ecke Plastikbecher in den Geschäftsräumen zu finden find.

In einer Zeit, in der wir es gewohnt sind, die Welt durch Bilder und Videos zu erleben, liegt unser Fokus stark auf dem Aussenbild. Auch uns selbst zeigen wir in Bildern und erzählen Geschichten davon, wie unser Leben ist. Wir kuratieren unseren Alltag auf digitalen Plattformen und lernen auch in Gesprächen oft, unsere besten Seiten zu betonen. Der Boom an Fillers und Schönheitsoperationen zeigt, dass schon junge Menschen sich durch die Perspektive der Sozialen Medien betrachten und ihr Äusseres den dortigen Looks anpassen wollen.

Das Problem daran ist, dass unsere Gesellschaft immer mehr verlernt, sich selbst wahrzunehmen. Wir sind so darauf konzentriert, uns durch fremde Augen zu betrachten und uns durch fremde Messlatten zu beurteilen, dass wir vergessen, uns selbst zu erleben.

In den Gesprächen mit meinen Mentoring- und Coaching-Klient*innen bringe ich den Fokus immer wieder zurück zur eigenen Wahrnehmung. So wichtig in der systemischen Betrachtungsweise die Dynamiken zwischen Menschen und ihrem Umfeld auch ist, es ist auch essentiell, das Erlebte aus der inneren Wahrnehmung heraus zu verstehen.

Oft verlieren wir uns darin, beim Verhalten von Person X, Y und Z den Fehler zu suchen und es als Grund dafür zu betrachten, dass es uns nicht gut geht.

Aber nur wenn das Verhalten von Person X, Y und Z etwas mit unserem Inneren macht, zum Beispiel einen wunden Punkt in unserem Inneren «tüpft», kann es uns derart beschäftigen.
Damit meine ich natürlich nicht Verhaltensweisen von anderen, die uns physisch und psychisch schaden. Sondern alltägliche Situationen und verschiedene Standpunkte, die aufeinandertreffen.

Wenn wir uns zum Beispiel immer und immer wieder über das Verhalten einer Person in unserer Familie oder unserer Firma aufregen, hilft es uns nicht, stunden- und tagelang über diese Person zu schimpfen. Im Gegenteil, der Ärger brennt sich immer tiefer in unser Denken ein und irgendwann kommen wir aus dem Frust kaum mehr hinaus.

Hier hilft es, zu sich selbst zurück zu gehen und wahrzunehmen, was das Verhalten dieser Person mit uns macht:

Gibt es ganz tief in mir eine Angst, dass diese Person Recht hat und ich zu wenig gut bin / einen Fehler gemacht habe / etwas nicht kann?

Kollidiert das Verhalten dieser Person mit meinen persönlichen Werten und Ansichten?

Fühle ich mich durch das Verhalten dieser Person bedroht?

Wenn ich ganz ehrlich bin, welche tiefe Angst steckt hinter meiner Abwehrreaktion?

Hat diese Person mit ihrer Aussage über mich irgendwie Recht oder weiss ich besser, dass ich richtig bin, wie ich bin?

Welche schmerzhaften Gefühle hat mein Gegenüber gerade ausgelöst? Hilft es mir, über dies Person zu schimpfen oder wäre es besser, wenn ich mich mit meinem Schmerz beschäftige?

Bin ich vielleicht nicht so selbstsicher, wie ich es vorgebe und kann deshalb nicht damit umgehen, wie die Menschen auf meine vermeintliche Selbstsicherheit reagieren?

Wir haben in den letzten Jahren hervorragend gelernt, das Leben anderer zu betrachten und uns durch die Perspektive anderer Menschen wahrzunehmen. Die wenigsten von uns haben aber gelernt, nach Innen zu blicken und uns selbst wahrzunehmen. Dabei ist eine gesunde, positive Selbstwahrnehmung die Basis eines authentischen Seins und eines echten Selbstwerts.
Denn wenn wir uns, unsere Stärken, Schwächen, unsere Geschichte, unsere Muster und unser Verhalten wirklich gut kennen, dann können wir sowohl Fehler zugeben, als auch zu uns stehen, wenn es nötig ist.
Auch wenn unsere Welt stark darauf aufgebaut ist, sich gut zu verkaufen: Irgendwann merkt das Gegenüber, wenn die Verpackung überhaupt nicht dem Inhalt entspricht. Wenn wir uns aber selbst gut kennen, können wir uns authentisch geben und klar kommunizieren.

Deshalb liegt der Fokus meiner Arbeit auf der Selbstwahrnehmung, denn dort finden wir die Antworten, die für uns richtig sind und uns stärken. Meine Klient*innen, die sich teilweise zum ersten Mal überhaupt wirklich selbst wahrnehmen in unseren Sessions, sind danach meistens sehr klar, ruhen in sich und sind überrascht davon, wie gut sie sich selbst kennen lernen können und wie gut sich das anfühlt.

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